Rezension: Hans-Ulrich Grimm: Katzen würden Mäuse kaufen. Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht

Was steckt eigentlich drin im Katzenfutter? Für „Katzen würden Mäuse kaufen. Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht“ wirft Hans-Ulrich Grimm einen Blick hinter die Kulissen der Tierfutterindustrie. Und da geht es oft nicht sehr appetitlich zu. Die 2016 herausgegebene Neuauflage bietet viele aktualisierte Fakten – dargeboten in einer oft reißerischen Ausdrucksweise.

Rezension - Katzen wuerden Maeuse kaufen

An wen wendet sich „Katzen würden Mäuse kaufen“?

„Katzen würden Mäuse kaufen“ richtet sich an alle Haustierbesitzer, die genauer wissen möchten, was sie ihren vierbeinigen Lieblingen in den Napf füllen. Hans-Ulrich Grimm beschäftigt sich mit der Fleischproduktion für Tierfutter, daher ist das Buch für Katzen- und Hundehalter besonders interessant.

Über den Autor

Hans-Ulrich Grimm, geboren 1955 im Allgäu, ist Journalist und Autor. Von 1989 bis 1996 arbeitete er als Redakteur für den SPIEGEL. Seit 1997 schreibt er Bücher und Berichte, die sich kritisch mit industriell gefertigten Lebensmitteln auseinandersetzen. Bereits sein erstes Buch, „Die Suppe lügt“, wurde zum Bestseller mit einer Auflage von über 250.000 Exemplaren. Weitere Bücher sind unter anderem „Die Fleischlüge. Wie uns die Tierindustrie krank macht“, „Die Kalorienlüge. Wie uns die Nahrungsindustrie dick macht“ und „Vom Verzehr wird abgeraten. Wie uns die Industrie mit Gesundheitsnahrung krank macht“.

Über das Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“

Im Jahr 2007 sollte die erste Auflage von „Katzen würden Mäuse kaufen“ erscheinen, damals noch mit dem Untertitel „Schwarzbuch Tierfutter“ – und löste gleich einen kleinen Skandal aus. Masterfoods (heute Mars, Produzent von Tierfuttermarken wie Whiskas, Sheba, Pedigree und Chappi) erwirkte eine einstweilige Verfügung, das Buch konnte zunächst nicht erscheinen. Dann erfolgte die Veröffentlichung doch, nach Angaben des Verlags unverändert. 2016 legte der Knaur Verlag eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage vor, nun mit dem Untertitel „Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht“.

Warum Masterfoods damals die Veröffentlichung verhindern wollte, wird gleich im ersten von zwölf Kapiteln deutlich: Grimm beschreibt, was wirklich im Katzen- und Hundefutter landet, das anschließend in hübsch golden glänzenden Schälchen in den Supermarktregalen steht. „Katzen würden Mäuse kaufen“ beschäftigt sich mit dem Trend, Haustiere immer mehr zu verhätscheln und zu vermenschlichen. Nutztiere stehen derweil in dunklen Ställen, unsichtbar für die Öffentlichkeit. Eines haben beide Gruppen laut Grimm gemeinsam: Sowohl Katzen und Hunde als auch Hühner, Schweine und Geflügel erhalten nicht artgerechte Nahrung. Seine These: Auf Dauer macht dies die Tiere krank. Grimm möchte Zusammenhänge zwischen industriell hergestelltem Tierfutter und „Zivilisationskrankheiten“ wie Diabetes, Harnsteinen, Nierenleiden und Übergewicht aufzeigen. Im letzten Kapitel geht er auf die Gegenbewegung besorgter Tierhalter ein, die ihre Katzen und Hunde mit rohem Fleisch, selbstgekochten Menüs oder auch mal vegan ernähren.

Was gelingt dem Buch gut?

Grimm hat penibel recherchiert. Er berichtet aus der Mars-Fabrik, in der zum Beispiel Whiskas und Chappi hergestellt werden. Das Buch nimmt den Leser auch mit zu Zuliefererbetrieben und Tierkörperbeseitungungsanlagen. Von hier stammen einige der sogenannten Kategorie 3-Schlachtabfälle: tierische Lebensmittel, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind, Blut, Fell, Hörner, Klauen und dergleichen.

Dabei verurteilt Grimm die Fütterung von Schlachtabfällen nicht per se. Heute bekommen Katzen und Hunde die Abfälle aber nicht frisch vom Tisch, sondern in Dosen verpackt und zu Kroketten gepresst, versehen mit appetitanregenden Namen, die den Menschen ansprechen sollen. Der kauft schließlich das Futter.

Wo ihn seine eigenen Recherchen nicht weiterführen, zitiert Grimm aus Zeitungsartikeln, Fachbüchern und auch aus Werbeschriften der Futtermittelhersteller. In ihrer internen Kommunikation verschweigen die nämlich keineswegs, dass es ihnen vor allem darum geht, möglichst billig zu produzieren. Wenn das den Tieren nicht schmeckt, schaffen Aromastoffe Abhilfe. „Heu&Kraut“ in Pulverform für Pferde beispielsweise. Oder „Waldmeisteraroma mit Vanille-Note“ für Ferkel. Natürlich chemisch hergestellt, nicht aus natürlichen Zutaten.

In „Katzen würden Mäuse kaufen“ geht es, anders als der Titel suggeriert, nicht nur um Katzen- und Hundefutter. Auch die Futtermittel für Masttiere stehen auf dem Prüfstand. Deren Fleisch landet schließlich in den Dosen und Trockenfutterpackungen. Die Qualität ihres Futters wirkt sich direkt auf die Fleischqualität aus. Das Fleisch von Kühen, die Gras fressen dürfen, enthält zum Beispiel einen wesentlich höheren Gehalt an Omega 3-Fettsäuren als Rindfleisch aus konventioneller Massentierhaltung.

Grimm geht auch auf die enge Verflechtung von Industrie und Wissenschaft ein. Futtermittelhersteller sponsern Lehrstühle an tiermedizinischen Universitäten, stellen das Lehrmaterial und halten Veranstaltungen ab, auf denen angehende Tierärzte etwas über die artgerechte Ernährung von Haustieren lernen sollen.

„Katzen würden Mäuse kaufen“ ist allerdings kein Ratgeber für Leser, die wissen wollen, was genau sie ihren Katzen und Hunden jetzt anbieten sollen. Möglichst frisch und möglichst nah an der natürlichen Ernährungsweise soll das Futter sein, darauf weist schon der Titel hin. Wer konkrete Empfehlungen sucht, wird hier jedoch nicht fündig.

Was gelingt dem Buch weniger gut?

„Katzen würden Mäuse kaufen“ kommt sehr reißerisch daher. Schon die Kapitelüberschriften klingen eher nach BILD-Zeitung als nach seriöser wissenschaftlicher Arbeit. Den Geruch einer Fressnapf-Filiale vergleicht er mit dem Geruch einer Tierkörperbeseitigungsanlage, spricht von „Supergiften“ und „Killerkeimen“. Medikamente für epilepsiekranke Katzen setzt er Psychopharmaka gegen vermeintliche Verhaltensstörungen und angeblich gebissreinigenden Hundekeksen gleich. Biotechnologie und Gentechnik betrachtet Grimm sehr einseitig.

Hin und wieder schweift er auch weit vom eigentlichen Thema ab. So kommt er zum Beispiel von mit Dioxin belasteten Fetten aus einer belgischen Fettschmelze auf den belgischen Päderasten Marc Dutroux und geht weiter zu einem Korruptionsskandal im belgischen Fußball. Was das mit Tierfutter zu tun hat, bleibt offen. Zudem wiederholt sich Grimm sehr oft, führt Beispiele in ein und demselben Kapitel immer wieder an oder weist alle paar Seiten auf denselben Sachverhalt hin. Das kann die Geduld des Lesers strapazieren.

Fazit: Blick hinter die Kulissen der Tierfutterindustrie

Wer sich schon mit der Ernährung von Katzen und Hunden auseinandergesetzt hat, dem wird vieles in „Katzen würden Mäuse kaufen“ bekannt vorkommen. Mittlerweile wissen wohl die meisten Tierhalter, dass den wohlklingenden Beschreibungen auf Tierfutterverpackungen nicht immer zu trauen ist. Dennoch erwartet auch gut informierte Katzenhalter noch einmal die Erkenntnis, wie weit sich Tiere – Haus- und Masttiere gleichermaßen – in menschlicher Obhut von einer natürlichen Ernährung entfernt haben.

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