Rezension – Elke Söllner: Die besorgte Katze: Was Ihre Katze Ihnen sagen will

Die Katze liegt zusammengerollt auf dem Sofa und wirkt, als wäre sie mit sich und der Welt im Reinen. Doch ist das wirklich so? In „Die besorgte Katze: Was Ihre Katze Ihnen sagen will“ ist Tierpsychologin Elke Söllner der Seele der Katze auf der Spur. Leider kann das Buch die im Untertitel gestellte Frage nicht immer nachvollziehbar beantworten.

Rezension - Die besorgte Katze

An wen wendet sich „Die besorgte Katze“?

Dieser Ratgeber wendet sich kurz gesagt an alle Katzenhalter, die ihre Samtpfoten besser verstehen möchten. Elke Söllner möchte mit ihrem Buch nicht nur Menschen helfen, deren Katzen bereits Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Die Tiertherapeutin möchte vor allem Verständnis für die Katze als sensibles Wesen wecken. Darüber hinaus will sie aufzeigen, welche Wechselwirkung zwischen der menschlichen und der kätzischen Psyche bestehen.

Über die Autorin

„PetCouch“ Elke Söllner ist Tierpsychologin aus Österreich. Sie ist 1966 geboren und wuchs in einem Haushalt mit vielen unterschiedlichen Tieren auf. Bereits damals übten Katzen eine ganz besondere Faszination auf sie aus. Sie studierte einige Semester Biologie und Sonder- und Heilpädagogik und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur zertifizierten Tierpsychologin. Praktische Erfahrung sammelte sie unter anderem in der Ambulanz der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Mit ihrer mobilen Haustier- und Verhaltensberatung steht sie Tierhaltern und Tieren in und um Wien zur Seite.

Die Illustrationen im Buch stammen Julia Scharinger-Schöttel.

Über das Buch „Die besorgte Katze“

Was löst bei einer Katze Besorgnis aus? Dieser Frage geht Elke Söllner in sechs Kapitel plus Vorwort und Anhang nach. Zum Abschluss bietet das Buch ein relativ ausführliches Literaturverzeichnis. Auf insgesamt 175 Seiten beschäftigt sich die Autorin zunächst mit dem Ursprung der Hauskatze und mit der Katze als Mythos. In den folgenden Kapiteln soll der Leser lernen, „wie Katzen ticken“, und einen Einblick in die Sprache der Katzen erhalten. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit psychosomatischen Problemen der Katze. Außerdem geht es um den therapeutischen Wert der Samtpfoten für den Menschen und um tierische Freundschaften.

Elke Söllner reichert die Theorie mit zahlreichen Anekdoten aus ihrem eigenen Leben mit Katzen an. Jedes Kapitel wird zudem durch eine Illustration von Julia Scharinger-Schöttel eingeleitet, die alle im Stil der Titelgrafik gehalten sind.

Was gelingt dem Buch gut

Katzen haben ein sehr reiches Seelenleben und verfügen über eine ähnliche Bandbreite von Emotionen wie Menschen. Wer mit Katzen im Familienverbund zusammenlebt, wird diese Aussage kaum anzweifeln. Manches Mal tun sich Katzenhalter aber schwer damit, die Gefühlswelt ihrer Katze wirklich zu verstehen. Hier setzt „Die besorgte Katze“ an.

Der Fokus auf der Psyche der Katze hebt das Buch von anderen Ratgebern ab. Die Autorin möchte vor allem Verständnis für die Emotionen von Katzen wecken. Darüber hinaus möchte sie aufzeigen, dass hinter einem als problematisch empfundenen Verhalten der Katze häufig ein Problem beim Menschen steckt. Ihre These: Die Bindung zwischen Katze und Mensch ist noch enger, als viele vermuten. Es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen kätzischer und menschlicher Psyche, im Positiven wie auch im Negativen. Das sind wichtige Punkte, die für viele Katzenliebhaber auch interessant sein dürften.

Positiv fällt Elke Söllners ganzheitlicher Ansatz auf. Sie betrachtet Psyche und Organismus der Katze nicht getrennt voneinander, sondern als eine Einheit mit vielfältigen Wechselbeziehungen. So geht sie beispielsweise darauf ein, dass artgerechtes Katzenfutter sich nicht nur positiv auf die organische Gesundheit der Miezen auswirkt, sondern auch auf ihr psychisches Wohlbefinden.

Und was besorgt die Katze nun? Elke Söllner zeigt auf, dass es vor allem Sorgen um Ressourcen sind, die Miezen umtreiben. Futter, Revier, gemeinsame Zeit mit dem Menschen gehören zu den wichtigsten Ressourcen für Hauskatzen. Vor allem Veränderungen bedeuten zudem häufig Stress für die Miezen, die sprichwörtliche Gewohnheitstiere sind.

Was gelingt dem Buch weniger gut

Elke Söllner spricht im Buch durchgängig von „Frau und Herrn Katze“ und „den lieben Miezen“. Ob einem diese Art der Anrede gefällt, ist Geschmackssache. Anders sieht es mit der Empfehlung aus, mit der Kastration der Katze so lange wie möglich zu warten. Das mag nobel gemeint sein, damit sich die Katze physisch und psychisch voll entwickeln kann, ist aus Tierschutzgründen in der Praxis aber kaum umsetzbar.

So wichtig die Grundaussagen von „Die besorgte Katze“ auch sind, sie gehen leider in einer nicht gut durchdachten Struktur unter. Obwohl die Kapitelüberschriften etwas anderes vermuten lassen, folgt das Buch leider keinem klar erkennbaren roten Faden. Manche Unterkapitel gehen nur sehr knapp auf das in der Überschrift angesprochene Thema ein, um sich dann mit anderen Dingen zu beschäftigen. Zahlreiche Aussagen werden in fast jedem Kapitel wiederholt. Das ist gut für Leser, die sich das Buch nur kapitelweise zu Gemüte führen, stört aber beim durchgängigen Lesen.

Die Anekdoten aus dem Leben der Autorin machen das Buch zwar lebendiger, können aber nicht verdeutlichen, wie sich die Theorie in der Praxis umsetzen lässt. Es gibt zwar einige praktische Ratschläge, wie man seinen Miezen das Leben angenehm machen kann. Im Vergleich zu anderen Ratgebern bleiben diese jedoch an der Oberfläche und sind sehr allgemein gehalten. Selbstverständlich würde es den Rahmen eines Ratgebers sprengen, jeden Einzelfall zu betrachten. Etwas mehr Praxisbezug und Fallbeispiele wären beim Buch einer zertifizierten Tierpsychologin aber schon wünschenswert. Negativ fallen zudem einige Grammatikfehler auf.

Fazit: Was will die Katze denn nun sagen?

Die Psyche der Katze ist ein wichtiges Thema, das viele Katzenhalter interessiert. Was die Katze ihrem Halter sagen will, kann „Die besorgte Katze“ aber nicht immer zufriedenstellend beantworten. Dafür fehlt es dem Buch schlicht an Struktur und einem roten Faden. Immerhin lernen Katzenhalter, dass auch Katzen psychosomatische Probleme haben können und Organismus und Psyche als Gesamtheit gesehen werden sollten. Zudem erfahren sie, wie Katzen das Wohlbefinden und die Laune ihrer Halter spiegeln. Als Ergänzung zu anderen Ratgebern, die mehr Grundlagenwissen vermitteln, kann „Die besorgte Katze“ dem ein oder anderen daher noch wichtige Hinweise zum Thema Katzenverhalten geben.

Eingestellt von
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