Rezension: Sabine Schroll „Aller guten Katzen sind…?“

Eine Katze macht viel Freude – mehrere Katzen machen mehr Freude. Doch so schön das Leben im Mehrkatzenhaushalt für viele Menschen ist, es stellt auch eine Herausforderung dar. Das beginnt schon mit der Auswahl der passenden Partnerkatze. In „Aller Guten Katzen sind…? Der Mehrkatzen-Haushalt“ widmet sich Tierärztin Sabine Schroll dem Leben mit mehreren Samtpfoten.

Rezension - Aller guten Katzen sind

Über die Autorin Sabine Schroll

Sabine Schroll arbeitet als Tierärztin in einer Kleintierpraxis. Dort berät sie Tierhalter nicht nur bei physischen Problemen ihrer Tiere, sondern übernimmt auch die Verhaltenstherapie von psychisch angeschlagenen Katzen und Hunden. Im Jahr 2001 veröffentlichte sie ihr Buch „Miez, Miez – na komm!“, bis heute ein Bestseller unter den Katzenratgebern. 2006 legte sie „Aller Guten Katzen sind…?“ nach.

Über das Buch „Aller Guten Katzen sind…? Der Mehrkatzen-Haushalt“

„Aller guten Katzen sind…?“ ist ein schmales Bändchen von 110 Seiten. Eines sei vorweg genommen: Trotz der knapp erscheinenden Seitenzahl ist es Sabine Schroll gelungen, viele wichtige Informationen zusammenzufassen. Die zwölf Kapitel bauen aufeinander auf. Zunächst geht Sabine Schroll auf die Frage ein, ob die Katze überhaupt ein soziales Tier ist. Die klare Antwort: Ja! Weiter geht es mit der Auswahl der passenden Katze, der Zusammenführung und den unterschiedlichen Beziehungen, die Katzen untereinander pflegen. Im Anschluss beschreibt Schroll, wie der Mensch Leben und Wohnung für einen funktionierenden Mehrkatzenhaushalt organisieren kann. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit typischen Problemen und Verhaltensstörungen im Mehrkatzenhaushalt und stellen mögliche Therapien vor. Eine Literaturliste und hilfreiche Adressen für Katzenhalter schließen das Buch ab.

„Aller guten Katzen sind…?“ baut teilweise auf „Miez, Miez – na komm!“ auf. Es schadet daher nicht, beide Ratgeber zu lesen.

An wen wendet sich „Aller Guten Katzen sind…? Der Mehrkatzen-Haushalt“?

Der Ratgeber möchte alle Katzenhalter ansprechen, die überlegen, eine weitere Mieze aufzunehmen. Ebenso wendet sich das Buch an Menschen, die noch keine Katze haben und direkt zwei Tieren ein Zuhause geben wollen. Auch Katzenhalter, bei denen Samtpfoten in einer nicht ganz idealen Konstellation zusammenleben, sollen in dem Ratgeber Hilfestellung finden.

Was gelingt dem Buch gut?

„Die Katze ist ein Einzelgänger. Die versteht sich doch gar nicht mit anderen Katzen.“ Immer noch hört man dieses Vorurteil. „Aller guten Katzen sind…?“ räumt mit diesem Vorbehalt auf. Tatsächlich ist die Hauskatze ein Einzeljäger. Ihre kleinen Beutetiere möchte sie schließlich nicht noch teilen. Freilebende Hauskatzen bilden jedoch soziale Verbände. Sabine Schroll beschreibt die Katze als fakultativ sozial: „Sie kann alleine oder in der Gruppe leben, aber sie muss weder alleine noch in der Gruppe leben.“ In der Wohnungshaltung bedeutet ein Artgenosse jedoch: weniger Langeweile, viel mehr Abwechslung – und ist daher für ein glückliches Katzenleben wichtig.

„Aller guter Katzen sind…?“ geht alle wichtigen Fragen rund um den Mehrkatzenhaushalt an. Dabei langweilt das Buch nie mit zu theoretischen Abhandlungen, sondern orientiert sich am Alltag: Wie verhält die Katze sich? Warum macht sie das? Dadurch fällt es leicht, die beschriebenen Situationen auf den eigenen Haushalt zu übertragen.

Lebt bereits eine Katze im Haushalt, lautet die wichtigste Frage: Welche Katze passt überhaupt zu ihr? Geschlecht, Alter und Rasse spielen bei der Auswahl durchaus eine Rolle, vor allem aber geht es immer um das individuelle Tier. Für Katzengruppen gibt Sabine Schroll den wichtigen Hinweis: Die Auswahl einer weiteren Katze richtet sich immer nach der sozial schwächsten Katze. Auch die Frage, wie viele Katzen eigentlich zu viele sind, lässt Schroll nicht außer acht.

Obwohl das Buch so schmal ausfällt, können Katzenhalter hier sehr viel über die Beziehungen lernen, die Katzen untereinander pflegen. So erfahren Leser zum Beispiel, dass es bei Katzen keine feste Rangordnung wie bei Hunden gibt. Wer das dominante Tier ist, wechselt, und hängt auch von örtlichen Gegebenheiten ab. „Aller guten Katzen sind…?“ macht sehr deutlich, wie wichtig der Mensch für einen funktionierenden Mehrkatzenhaushalt ist – und gibt direkt praktische Tipps, wie sich Wohnung und Alltag für ein harmonisches Zusammenleben gestalten lassen.

Verstehen sich die Katzen untereinander nicht, kann dies für Mensch und Tier schnell in Dauerstress ausarten. Gestresste Katzen markieren, werden unsauber und eventuell sogar krank. Für solche Fälle bietet „Aller guten Katzen sind…?“ ebenfalls wichtige Ratschläge. Im Kapitel „Typische Probleme und Verhaltensstörungen im Mehrkatzen-Haushalt“ lernen Katzenhalter zum Beispiel, normales Verhalten von Verhaltensauffälligkeiten zu unterscheiden. Sabine Schroll erklärt verschiedene Symptome und psychische Störungen bei Katzen. Das Kapitel „Behandlungsmöglichkeiten“ zeigt auf, wie man die Beziehungsprobleme seiner Katzen vielleicht doch noch kitten kann.

Was gelingt dem Buch weniger gut?

Die Tipps zur Zusammenführung sind vielleicht ein wenig kurz gehalten. Viele Katzenhalter beschreiben in Foren und Online-Gruppen ihre guten Erfahrungen, wenn sie Katzen langsam mit Hilfe einer Gittertür zusammenführen. Darauf geht der Ratgeber nur am Rande ein.

Der Tipp, sehr aktive Katzen beim gemeinsamen Spiel nach einiger Zeit in einen geschlossenen Raum oder unter einen umgedrehten Wäschekorb zu setzen, um mit den ruhigeren Mitkatzen zu spielen, kann auch nach hinten losgehen. Eventuell schürt dies bei der „ausgeschlossenen“ Katze Frustrationen. Oft klappt es gut, stattdessen auf die unterschiedlichen Spielvorlieben der Katzen einzugehen, sodass sie sich gar nicht erst in die Quere kommen.

Negativ macht sich leider auch das fehlende Lektorat und Korrektorat bemerkbar: Es gibt doch einige Rechtschreib- und Grammatikfehler. Dies sind jedoch nur Kleinigkeiten in einem ansonsten sehr hilfreichen Buch, in dem Katzenliebhaber viel über das Verhalten der Katzen und ihre Beziehungen untereinander lernen können.

Fazit: So machen mehr Katzen wirklich mehr Spaß

Wie schon in „Miez, Miez – na komm!“ gelingt es Sabine Schroll auch mit „Aller guten Katzen sind…?“, das Verständnis für typisches Katzenverhalten zu wecken. Wer immer noch glaubt, das Katzen absolute Einzelgänger sind, wird hier eines Besseren belehrt. Vor allem aber ist der Ratgeber eine hilfreiche Lektüre für alle, die mit mehreren Katzen zusammenleben möchten. Vom hohen Praxisbezug profitieren auch Katzenhalter, in deren Mehrkatzenhaushalt es gerade nicht ganz rund läuft. Halter von Katzen, die sich gut verstehen, lernen mehr über die Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer Miezen.

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