BARF – eine Anleitung zum BARFen von Katzen

Die ideale Nahrung für die Katze ist eine frisch gefangene Maus. Für Hauskatzen steht die heute jedoch eher selten auf dem Speiseplan. Wer seine Katzen naturnah ernähren möchte, macht sich daher ans BARFen. Die Basis bildet rohes Fleisch, hinzu kommen Innereien, eventuell Knochen und verschieden Vitamine und Mineralstoffe. BARF für Katzen ist vergleichsweise aufwendig. Die Anleitung hilft bei der Einarbeitung.

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BARF für Katzen – die richtigen Voraussetzungen

BARF, die biologisch artgerechte Rohfütterung, ist eine gesunde und naturnahe Art, Katzen zu ernähren. Das Ziel ist es, mit Fleisch, Knochen und Zusätzen der natürlichen Beute der Katze so nahe wie möglich zu kommen. Bei richtiger Zubereitung stärkt BARF das Immunsystem, verbessert die Fellstruktur und beugt Zahnstein vor.

So viele Vorteile BARF auch bietet: Diese Art der Katzenfütterung eignet sich nicht für jeden. BARF erfordert die Zeit und die Bereitschaft, sich ausführlich mit der Ernährung von Katzen zu beschäftigen. Die Mahlzeiten zuzubereiten, ist aufwendiger, als eine Dose zu öffnen oder Trockenfutter hinzustellen. Darüber hinaus müssen Katzenhalter bereit sein, mit rohem Fleisch zu hantieren – und zwar nicht nur mit Muskelfleisch, sondern auch mit Innereien und eventuell mit ganzen toten Tieren wie Kaninchen oder Wachteln.

Darüber hinaus sind große Gefrierkapazitäten von Vorteil. So lässt sich günstiges Fleisch aus dem BARF-Handel bestellen. Mahlzeiten können in größeren Mengen vorbereitet und eingefroren werden. Das spart eine Menge Zeit. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann es mit dem BARFen losgehen.

Das BARF-Zubehör: Was braucht man zum BARFen von Katzen?

Wer seine Katzen BARFen möchte, benötigt neben Fleisch und Zusätzen auch einiges an Zubehör. Messer und Schneidebretter haben die meisten zwar zu Hause, idealerweise verwendet man zur Verarbeitung von BARF aber eigene Utensilien.

Mit diesem Zubehör sind angehende BARFer gut ausgerüstet:

– scharfe Messer in verschiedenen Größen
– Ausbeinmesser
– Hackebeil
– Geflügelschere
– großes Schneidebrett, am besten aus hartem Holz
– Fleischwolf
– Küchenwaage
– Feinwaage zum Abwiegen von Supplementen
– Mörser zum Zerstoßen von Vitaminzusätzen und Eierschale
– große Schüssel, am besten aus hygienischem Edelstahl
– Gefrierdosen oder Gefriertüten, um die Portionen zu lagern
Viele BARFer fühlen sich wohler, wenn sie bei der Zubereitung Einmalhandschuhe tragen. Ein Mixer oder eine Küchenmaschine hilft beim Pürieren von Fleisch und Zusätzen, ist aber nicht zwingend notwendig.

Welches Fleisch eignet sich zum BARFen von Katzen?

Die wichtigste Zutat für die BARF-Mahlzeit von Katzen ist natürlich Fleisch. Hier haben Katzenhalter eine große Auswahl, es eignet sich alles, was die Katze verträgt. Die große Ausnahme bildet Schweinefleisch. Das Fleisch von Schweinen und Wildscheinen kann das Aujeszky-Virus enthalten. Dabei handelt es sich um ein Herpesvirus, das bei Hunden und Katzen eine tödlich verlaufende Gehirn- und Rückenmarksentzündung auslöst, die sogenannte Pseudotollwut. Hausschweine gelten in Deutschland zwar als Aujeszky-frei. Bei Schwarzwild konnte das Virus aber nachgewiesen werden. Damit bleibt ein Restrisiko, dass sich auch Schlachtschweine mit dem Virus infizieren. Für BARFer gilt daher: Kein rohes Schweinefleisch in den Napf! Beim Kochen stirbt der Virus ab, durchgegartes Schweinefleisch ist daher unbedenklich.

Als Futterfleisch eignen sich:

– Gefügel: Huhn, Pute, Ente, Gans oder auch Wachteln und Tauben. Das leicht verdauliche Geflügelfleisch wird von vielen Katzen gern angenommen und eignet sich daher ideal für den Einstieg ins BARFen. Ohne Haut ist das Fleisch recht mager, mit Haut steigt der Fettanteil. Wachteln können als ganze Tiere inklusive Federn verfüttert werden – sofern die Katze dies mag.
– Rind: Neben Muskelfleisch eignet sich Kopffleisch, Backenfleisch, Maulfleisch, Lefzen sowie die Innereien. Einige Katzen fressen auch Pansen und Blättermagen.
– Lamm: Verfüttert werden können alle Fleischsorten und Innereien außer Magen und Darm, da diese recht viele Parasiten enthalten.
– Wild: Von Reh, Hirsch oder Elch kann das Muskelfleisch verfüttert werden, was sehr kalorienarm und leicht verdaulich ist.
– Kaninchen und Hase: Kaninchen-Muskelfleisch ist sehr mager. Im BARF-Fachhandel bekommt man auch ganze, gewolfte Kaninchen.
– Fisch: Es eignen sich Seelachs, Alaska-Seelachs, Karpfen, Rotbarsch, Thunfisch, Forellen, Makrelen und viele andere Süßwasser- und Meeresfische. Lachs ist allerdings ein Vitamin D-Supplement.
– Pferd: Pferdefleisch wird meist verfüttert, wenn der Verdacht auf Allergien besteht. Die Theorie dahinter: In gewöhnlichem Fertigfutter ist Pferdefleisch nicht enthalten. Treten bei der Katze Symptome wie Juckreiz oder beständiger Durchfall auf, gibt man einige Wochen lang ausschließlich Pferdefleisch. Gehen die Symptome zurück, liegt sehr wahrscheinlich eine Allergie vor.
Eine ausgewachsene Katze bekommt pro Tag zwischen 25 und 40 Gramm Fleisch pro Kilogramm Körpergewicht, abhängig von ihrer Aktivität. Eine 5 kg schwere, aktive Katze bekäme am Tag also 200 Gramm BARF, aufgeteilt auf mehrere Mahlzeiten. Eine eher gemütliche Wohnungskatze kommt mit etwa 150 Gramm BARF pro Tag aus.

Fertig-BARF oder komplett selbst gemacht?

Fleisch bekommen BARFer vom Metzger, aus dem Supermarkt oder aus dem BARF-Fachhandel. In größeren Städten gibt es sogar BARF-Händler mit eigenen Filialen. Die meisten Händler bieten das Futterfleisch aber online an. Neben verschiedenen Fleischsorten haben viele Händler mittlerweile auch fertige BARF-Mahlzeiten im Sortiment.

Fertig-BARF ist natürlich praktisch, muss man als Mensch doch nur die Verpackung aufmachen und der Katze das Futter hinstellen. Allerdings sind die meisten Mahlzeiten eher auf Hunde abgestimmt. Katzen haben jedoch einen ganz anderen Nährstoffbedarf. Auf Katzen abgestimmtes Fertig-BARF hat immer noch den Nachteil, dass Halter nicht genau kontrollieren können, was im Futter steckt. Wer am Anfang oder Zwischendurch dennoch Fertig-BARF verfüttern möchte, sollte darauf achten, dass die Mahlzeiten als Alleinfuttermittel ausgewiesen sind. Sie sollten rund 70 Prozent Muskelfleisch und 10 Prozent Innereien enthalten sowie einen Knochenanteil von 5 bis 10 Prozent.

BARF: Welche Zusätze braucht die Katze?

Eine gesunde BARF-Mahlzeit besteht zum überwiegenden Teil aus Muskelfleisch. Dabei sollte es sich um gut durchwachsenes Fleisch oder Geflügelfleisch mit Haut handeln. Katzen beziehen einen Großteil ihrer Energie nämlich aus Fett, zu fettarme Nahrung ist langfristig ungesund.

Neben dem Protein aus Fleisch und der Energie aus Fett brauchen Katzen aber noch weitere Nährstoffe: Taurin, Mineralstoffe, Vitamine und essenzielle Omega 3- und 6-Fettsäuren. Diese Nährstoffe kommen entweder über Komplettzusätze oder über einzelne Supplemente ins Futter.

Komplettzusätze

Um das BARFen von Katzen ein wenig einfacher zu machen, sind in den vergangenen Jahren verschiedene Komplett-Präparate auf den Markt gekommen. Diese Pulver sollen bereits alle Nährstoffe enthalten, die eine Katze zur Fleischmahlzeit braucht. Zu den bekanntesten Komplett-Präparaten zählt Felini Complete. Die Handhabung ist einfach: Das Pulver wird pro 100 Gramm Fleisch dosiert, über das Rohfleisch gegeben und mit etwas Wasser vermischt.

Felini Complete enthält bereits Vitamin A und Kalzium. Daher sollten bei Supplementierung mit diesem Präparat keine Knochen und keine Leber gefüttert werden.

Wer Knochen und Leber verfüttern möchte, kann auf easy B.A.R.F. zurückgreifen. Das Präparat enthält Vitamine und Mineralstoffe sowie Spurenelemente, aber kein Kalzium. Auch Vitamin A ist nur in geringer Menge enthalten, sodass Leber weiter verfüttert werden kann.

Komplett-Präparate sind gerade für BARF-Einsteiger praktisch. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie sich nicht auf den individuellen Bedarf der Katze abstimmen lassen. Genau wie Fertigfutter arbeiten sie mit Durchschnitts-Richtwerten für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Für gesunde Katzen kann das in Ordnung sein. Chronisch kranke Katzen oder ältere Tiere brauchen aber speziell an ihre Bedürfnisse angepasstes Futter.

BARF-Supplemente selbst zusammenstellen

Wer die volle Kontrolle über die Zusammensetzung der BARF-Mahlzeiten haben möchte, stellt die Supplemente selbst zusammen. Für die unterschiedlichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, für Fett, Öle und Kalzium können jeweils verschiedene Zusätze verwendet werden. Hier gibt es einen Überblick über die Nährstoffe, die den BARF-Mahlzeiten zugesetzt werden müssen, und über die Supplemente, die diese Nährstoffe liefern.

Vitamin A-Zusätze

Vitamin A kann der Organismus der Katze nicht selbst bilden. Es muss dem Futter zugesetzt werden. Ein natürlicher Vitamin A-Zusatz ist Leber, zum Beispiel vom Huhn oder vom Rind. Hühner- und Rinderleber gibt es sehr günstig in jedem Supermarkt. Auf 1 Kilogramm Fleisch kommen 5 Gramm Leber.

Alternativ können BARFer Eigelb verfüttern. Wer seiner Katze Eigelb gibt, muss die Menge an Leber im Futter reduzieren, um Vitamin A nicht überzudosieren. Gleiches gilt, wenn Eintagsküken verfüttert werden, da diese noch den Vitamin A-reichen Eidotter enthalten.

Vitamin B-Zusätze

Bierhefe enthält alle wichtigen B-Vitamine. Bierhefe-Flocken bekommt man preiswert in der Drogerie. Aufgrund ihres hohen Gehalts an Phosphor eignet sie sich jedoch nicht für nierenkranke Katzen. Wer nierenkranke Katzen BARFt, kann auf Vitamin B-Komplex aus der Apotheke oder Drogerie ausweichen.

Vitamin D3-Zusätze

Genauso wie Vitamin A kann die Katze Vitamin D3 nicht selbst bilden. Lachs (Salmon Salar), Sprotte und Forelle sind gute Vitamin D3-Lieferanten. Mag die Katze keinen Fisch, kann das Futter mit Vitamin D3-Tabletten wie Vigantoletten angereichert werden.

Vitamin E-Zusätze

Als natürliches Vitamin E-Supplement eignet sich Weizenkeimöl. Alternativ können auch Vitamin E-Tropfen oder Vitamin E-Pulver gegeben werden. Beides gibt es im BARF-Bedarf.

Eisen-Zusätze

Wer Rohfleisch möglichst natürlich supplementieren möchte, fügt Eisen in Form von Rinderblut hinzu. Rinderblut gibt es in getrockneter Form bei BARF-Onlinehändlern. Falls man kein Blut verarbeiten möchte, kann man auch Fortain Forte verwenden. Das Pulver besteht aus dem Blutfarbstoff Hämoglobin aus Schweineblut. Aufgrund der Verarbeitung besteht kein Aujeszky-Risiko. Manche Katzen nehmen Fortain nicht an. Dann lässt sich das Fleisch mit Ferro Sanol Tropfen aus der Apotheke supplementieren.

Jod-Zusätze

Für ein gesundes Leben braucht die Katze auch Jod. Das kommt über Seealgenmehl ins Futter. Alternativ kann man auch mit Jodetten aus der Apotheke supplementieren.

Magnesium-Zusätze

Der Mineralstoff Magnesium ist im Spirulina Algenpulver enthalten. Alternativ gibt man Magnesiumgluconat oder Magnesium Citrat. Auf Magnesium-Zusätze sollte man verzichten, wenn die Katze unter Struvit-Steinen leidet.

Kalzium-Zusätze

Kalzium-Supplemente sollen den hohen Gehalt an Phosphor im Fleisch ausgleichen. Das ideale Verhältnis von Kalzium zu Phosphor liegt bei 1,15:1 bis 1,2:1. Um Kalzium-Zusätze optimal zu dosieren, müssen sich BARFer über den Phosphor-Gehalt der jeweiligen Fleischsorte informieren.

Die natürlichste Art, BARF mit Kalzium anzureichern, sind Knochen im Anteil von 5 bis 10 Prozent. Mag die Katze keine Knochen fressen, können BARFer auf Knochenmehl ausweichen. Knochen und Knochenmehl eignen sich nicht für nierenkranke Katzen. Ein sehr günstiges Kalzium-Supplement ist gemörserte Eierschale. Einfach Eierschalen aufbewahren, auswaschen und zerkleinern. Auf 1 Kilogramm Fleisch kommt die Schale von einem Ei. Alternative Kalzium-Zusätze sind Dicalciumphosphat, Kalziumcarbonat, Kalziumcitrat und Muschelkalk.

Fett-Zusätze

BARFer verfüttern idealerweise gut durchwachsenes, fettreiches Fleisch. Viele Fettsorten sind aber dennoch zu mager für Katzen. Fett supplementiert man zum Beispiel mit Schweineschmalz. Da dieses bei der Erzeugung erhitzt wird, muss man sich um das Aujeszky-Virus keine Sorgen machen. Schweineschmalz weist die optimale Fettsäurenzusammensetzung für Katzen auf. Alternativ eignet sich Gänseschmalz, was von der Fettsäurenzusammensetzung aber nicht ganz so ideal ist. Auch Geflügelhaut und Rinderfettpulver liefern Fett. Rinderfettpulver enthält jedoch auch einen hohen Anteil Glucose, also Zucker.

Auf pflanzliche Fette wie Kokosöl oder Sonnenblumenöl sollten BARFer nach Möglichkeit verzichten, da die Fettsäurenzusammensetzung für Katzen nicht optimal ist.

Taurin

Taurin ist für Katzen lebenswichtig. Herz ist ein sehr guter Taurin-Lieferant. Eine BARF-Mahlzeit kann bis zu 20 Prozent Herz enthalten, zum Beispiel Geflügelherzen oder Rinderherz. Alternativ kann reines Taurin zum Fleisch gegeben werden. Taurin-Pulver gibt es im BARF-Handel und in der Apotheke.

Weitere Zusätze

Neben den genannten Supplementen brauchen Katzen auch Salz. Auf ein Kilogramm Fleisch kommen etwa 2 bis 4 Gramm jodfreies Speisesalz. Bei nierenkranken Katzen muss die Salzmenge reduziert werden.

Wasser wird benötigt, um Supplemente in Pulverform zu vermischen und um den Flüssigkeitshaushalt der Katze zu decken. Es kann so viel Wasser zum Fleisch gegeben werden, wie die Katze akzeptiert.

Lachsöl dient zum Ausgleich der Omega 3- und 6-Fettsäuren. Es ist nicht mit Lachs zu verwechseln – der Vitamin D3-Gehalt von Lachsöl ist nur sehr gering. Auf 1 Kilogramm BARF kommen etwa zwei Lachsölkapseln. Manche Katzen schlecken das Öl lieber separat vom Teller.

Einige Supplemente werden kurmäßig gegeben. Dazu zählt Nachtkerzenöl, welches die Katze während des Fellwechsels bekommt. Etwa vier Wochen lang werden dem Futter zwei bis vier Tropfen des Öls zugesetzt. Grünlippmuschel soll die Gelenke gesund halten. Das Pulver wird einmal im Jahr für mindestens acht Wochen verabreicht. Pro Tag bekommt eine Katze maximal 0,5 Gramm.

Vor- und Nachteile von selbst zusammengestellten Supplementen

Wie gesehen, ist die Auswahl an BARF-Supplementen sehr umfangreich. Um Katzen ausgewogen zu BARFen und ihren Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen zu decken, sind viele verschiedene Zusätze notwendig. Die Zusammenstellung der Mahlzeiten mit Einzelsupplementen ist natürlich recht aufwendig und erfordert mehr Zeit, als Komplett-Präparate zu verwenden. Wer sich nicht genau einliest und über den Bedarf der Katze informiert, kann einzelne Zusätze schnell unter- oder überdosieren. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass die Katze einige Supplemente einfach nicht mag und strikt verweigert, selbst wenn diese langsam eingeschlichen werden.

Natürliche Supplemente haben jedoch auch große Vorteile. Jede Mahlzeit lässt sich ganz genau an den individuellen Bedarf der Katze anpassen. Das ist vor allem für Jungtiere, ältere Miezen oder Katzen mit chronischen Krankheiten wichtig. Zudem bringt die breite Auswahl an BARF-Supplementen Abwechslung ins Futter.

Die Grundausstattung: Eine kleine BARF-Einkaufsliste

Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch fürs BARFen. Wer sich von den ganzen Informationen über Supplemente, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente überfordert fühlt, kann sich zunächst eine kleine Grundausstattung zulegen. easy B.A.R.F. ist für den Einstieg ein guter Mittelweg zwischen einem Komplett-Präparat und natürlicher Supplementierung. Während die Katzen sich an die Ernährung mit frischem Fleisch gewöhnen, können die Menschen sich weiter in die Materie einlesen und mehr Sicherheit gewinnen.

Die Einkaufsliste für den Start ins BARFen kann zum Beispiel so aussehen:

– 100g easy B.A.R.F.
– 100g Kalziumcitrat
– 100g Kalziumkarbonat
– 50g Knochenmehl
– 50g Seealgenmehl
– 100g Taurin
– 250g Fortain Forte
– 1 Flasche Vitamin E-Tropfen
– Bierhefe
– Schweineschmalz
– Weizenkeimöl
– jodfreies Salz
– Lachsölkapseln

Die verschiedenen Kalzium-Präparate dienen der Abwechslung. Dem rohen Fleisch fügt man dann noch frischen oder tiefgefrorenen Lachs und frische Hühnerleber hinzu.

BARF-Rezepte berechnen

Hat man das nötige Zubehör und die Grundausstattung an Supplementen beisammen, geht es an die Zusammenstellung der Rezepte. Dabei gibt es verschiedene Ansätze: Manche BARFer arbeiten mit sogenannten Grundrezepten. Zum rohen Fleisch kommt dabei immer dieselbe Menge an Supplementen.

Andere BARFer berechnen die Menge der Zusätze ganz genau. Verschiedene Fleischsorten liefern nämlich unterschiedliche Nährstoffe. Hühnchen und Kaninchen sind zum Beispiel eher mager, Lamm und Gans eher fett. Verschiedene Fleischsorten weisen außerdem einen unterschiedlich hohen Gehalt an B-Vitaminen und Phosphor auf. Als Rechengrundlage dienen Nährwertdatenbanken und Bedarfswerttabellen, die im Internet zu finden sind.

Wer den Rechenaufwand minimieren möchte, nutzt einen BARF-Kalkulator. Mittlerweile stehen online eine ganze Reihe solcher Kalkulatoren zur Verfügung. Viele sind kostenfrei, andere gibt es gegen ein geringes Entgelt. BARF-Kalkulatoren helfen dabei, ausgewogene Mahlzeiten zusammenzustellen und die Zusammenhänge zwischen Nährwerten zu verstehen. Allerdings ziehen verschiedene Kalkulatoren unterschiedliche Nährwerttabellen zur Berechnung heran. Es ist daher immer sinnvoll, sich selbst mit dem Nährstoffbedarf der Katze auseinanderzusetzen, um zu verstehen, wie die Kalkulatoren auf ihre Werte kommen. Darüber hinaus lohnt es sich, Rezepte mit verschiedenen Kalkulatoren zu berechnen. Ohnehin sollten BARFer nie nur ein Rezept verfüttern, sondern Abwechslung in den Speiseplan ihrer Katze bringen. Das beugt eventueller Über- oder Unterversorgung vor.

BARF-Mahlzeiten zubereiten

Stehen die Rezepte, geht es an die Zubereitung der BARF-Mahlzeiten. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man kann jede Mahlzeit frisch zubereiten. Fehlt dazu die Zeit, nimmt man sich zum Beispiel einen Tag in der Woche, an dem man gleich mehrere Rezepte zusammenmischt und diese dann portionsweise einfriert. Supplemente überstehen das Einfrieren in der Regel ohne Qualitätsverlust. Lediglich Lachsöl sollte frisch über die Mahlzeiten gegeben werden.

Tipps zur Verarbeitung von BARF-Rezepten

Generell gelten beim BARFen dieselben Vorsichts- und Hygienemaßnahmen wie bei der Fleischzubereitung für die eigenen Mahlzeiten. Das Fleisch sollte vor der Zubereitung immer unter fließendem Wasser abgespült und trockengetupft werden, um an der Oberfläche sitzende Salmonellen zu entfernen. Beim Auftauen von tiefgekühltem Fleisch fängt man das Tauwasser auf und schüttet dieses weg.

Ebenso wichtig ist ein sauberer Arbeitsplatz. Messer, Schneidebretter, Fleischwolf und Schüsseln werden nach der Zubereitung gründlich gereinigt. Händewaschen ist ebenfalls Pflicht.

Riecht das Fleisch unangenehm oder sieht es leicht gräulich oder schmierig aus, sollte man es nicht mehr verfüttern. Katzen werden nicht mehr genießbares Fleisch meist ohnehin verweigern.

Das Fleisch wird klein geschnitten oder gewolft. Einige Katzen fressen lieber größere Stücke, andere mögen lieber gewolfte Mahlzeiten, das muss man ausprobieren. Größere Stücke sind besser für die Zahnpflege, in gewolfte Mahlzeiten lassen sich die Zusätze leichter untermischen. Wachteln, rohe Hühnerflügel oder Hühnerschenkel können am Stück gegeben werden. Die rohen Knochen splittern nicht und gelten daher als ungefährlich. Gekochte Knochen sollten aufgrund der Splittergefahr jedoch nie verfüttert werden.

Zum Fleisch kommen die Zusätze und etwas Wasser. Manche Katzen fischen allerdings nur die Fleischstücke aus dem Napf und lassen das Wasser mit den gelösten Zusätzen übrig. Um die Supplemente besser unterzumischen, kann man eine Art Sauce herstellen. Dazu Leber, Supplemente und Wasser in der Küchenmaschine oder dem Mixer vermischen, bis das Gemisch eine sämige Konsistenz aufweist.

BARF-Mahlzeiten richtig lagern

Wer größere Mengen BARF auf einmal herstellt, muss diese anschließend so lagern, dass sie nicht verderben. Am besten werden die Mahlzeiten portionsweise in für den Tiefkühler geeignete Dosen oder Gefrierbeutel abgefüllt und bei -18 Grad eingefroren.

500 Gramm Fleisch aufzutauen, dauert etwa 12 Stunden. Die Portionen sollte man entsprechend am Vortag der Fütterung aus dem Gefrierschrank holen und im Kühlschrank auftauen lassen. Dies vermindert die Vermehrung eventuell übrig gebliebener Salmonellen. Dafür wird die Packung leicht geöffnet, da sich beim Auftauen unter Luftabschluss gefährliche Bakterien bilden können. Ist die Portion aufgetaut, kann man sie mit etwas warmem Wasser auf Zimmertemperatur bringen. Zu kaltes Futter fressen Katzen nicht gern und es ist auch nicht gut für ihren Magen.

Wie klappt die Umstellung auf BARF?

Alle guten Vorsätze des Katzenhalters helfen wenig, wenn die Katze die liebevoll zubereitete Rohfleisch-Mahlzeit schlicht verweigert. Katzen sind neophob, das bedeutet: Was Mieze nicht kennt, frisst sie nicht. Manche Katzen stellen die Ausnahme von der Regel dar und kosten begeistert vom rohen Fleisch. Viele müssen allerdings erst vom BARF überzeugt werden.

Haben Katzen schon als Kitten rohes Fleisch bekommen, klappt die Umstellung auf BARF meist problemlos. Kennt Mieze bislang aber nur Feucht- oder Trockenfutter, begegnet sie rohem Fleisch meist eher skeptisch. Jetzt ist Geduld gefragt.

Eine langsame Umstellung hilft nicht nur der Katze, sich langsam ans neue Futter zu gewöhnen, sie ist auch besser für den Verdauungstrakt. Zu Beginn können bis zu 20 Prozent der täglichen Futterration in Form von rohem Fleisch gegeben werden. Dafür benötigt man noch keine Zusätze. Da Fertigfutter häufig eher zu viel als zu wenige Mineralstoffe und Vitamine enthält, entsteht keine Unterversorgung.

Für den Anfang eignen sich Hähnchen und Pute, da diese Fleischsorten von vielen Katzen gern angenommen werden. Mag die Katze nicht probieren, kann man versuchen, das Fleisch leicht anzudünsten. Manchmal helfen auch kleine Tricks: Fällt das Fleisch wie zufällig auf den Boden oder darf die Katze es „stibitzen“, wird es oft schon interessanter. Ein klein wenig zerbröseltes Trockenfutter oder Bierhefe als Panade machen das Rohfleisch auch attraktiver. Allerdings sollte man rohes Fleisch nicht mit Nassfutter oder einer Portion Trockenfutter mischen. Fleisch und Fertigfutter verbleiben unterschiedlich lange Zeit im Darm, was zu Verdauungsproblemen führen kann.

Der Kopf raucht? Keine Panik!

Supplemente, Nährwerttabellen, Kalkulatoren: BARF-Anfängern raucht angesichts der vielen Informationen schnell der Kopf. Darüber hinaus gibt es viele unterschiedliche Philosophien und Varianten des BARFens. Aber keine Panik: Je länger man sich mit dem BARFen von Katzen auseinandersetzt, umso leichter fällt es. Gerade am Anfang ist es hilfreich, wenn sich Einsteiger mit erfahrenen BARFern unterhalten können. Diese können Tipps geben und Rezepte überprüfen. Betreiber von BARF-Shops helfen Anfängern oft ebenfalls gerne weiter. Wichtige Tipps gibt es zudem in BARF-Foren. Nach und nach stellt sich immer mehr Routine ein und bald gehen die Rezepte einfach von der Hand.